
Design für das iPad - Was macht eine Applikation erfolgreich?
\\Die Enthüllung des iPad von Apple zu Beginn des Jahres versetzte die Grafische Industrie in Ekstase. Vieles wurde und wird von dem neuen Tablet PC erwartet. Doch wird es den Vorschuss-Lorbeeren auch gerecht? Und was macht das iPad so speziell? Gibt es nicht schon genug andere Tablet’s und E-Books? Das Zentrale am iPad sind die neuen Applikationen, welche täglich mehr werden. Damit eine Applikationen erfolgreich wird, muss das User Interface stimmen, denn sonst macht es keinen Spass. Und Spass muss sein!
Die Basis
Das wichtigste an einer iPad Applikation ist das Konzept dahinter. Warum soll der Nutzer die Applikation installieren? Was ist der Mehrwert? Was wird dadurch erleichtert oder sogar erst zugänglich? Schlicht: Was bringt dem Nutzer die Applikation? Wenn das Konzept einmal steht, kann man sich um den Ablauf und die visuelle Darstellung kümmern. Wie sollen die Menüs dargestellt werden und wie kann der User seine Eingaben vornehmen? Reicht die Tastatur oder soll das Tablet auch die GeoDaten speichern?
Dazu sollte vor der Umsetzung erst einmal das Storyboard geschrieben werden. Denn so können Lücken im Prozess entlarvt werden bevor das Graphic User Interface (GUI) gestalterisch angegangen oder gar mit der Programmierung begonnen wird.
Das Design
Phantasie und Gestaltung sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt, doch bei Applikationen für das iPad steht die Usability im Vordergrund. Nur wer eine Applikation erstellt, welche gerne eingesetzt wird, kann diese auch erfolgreich vermarkten. Am besten versetzt man sich in den zukünftigen Nutzer und hinterfragt die eigene Arbeit permanent. Ist die Benutzerführung logisch? Sind die Feedbacks auf Eingaben klar? Würde es meinen Ansprüchen genügen, wenn ich diese Applikation finde? Macht das GUI Spass?
Hier gilt als Faustregel, weniger ist mehr. Je klarer das Navigationsprinzip und je einfacher die Eingabe desto besser. Je mehr Inhalte in Menüs versteckt werden, desto komplizierter wird es. Und wenn der Nutzer den Überblick verliert, wird es anstrengend und wer will sich schon freiwillig stressen?
Im Moment bedienen sich die Applikationen gerne aus der realen Welt. Ledereinbände für den Terminplaner, liniertes Papier und Abrisskante für Notizzettel und natürlich Licht und Schatten für die 3D Wirkung. Die Möglichkeiten am Screen sind vielfältig aber es ist sinnvoll, diese Möglichkeiten gezielt Nutzerorientiert einzusetzen. Lesbarkeit und Performance sind wichtig, also sollte beispielsweise bei der Schrift mit einem Standard-Font gearbeitet werden. Denn diese sind für die Darstellung am Screen optimieren und werden in den verschiedenen Schriftgrössen optimal gerendert.
Zeitungen/Magazine
Gerade der Zeitungsmarkt hat grosse Hoffnungen in das iPad und wirbt schon jetzt mit neuen Abonnements um Kunden. Wer für eine Zeitung oder ein Magazine eine Applikation entwickelt, der tut gut daran, sich am bestehenden Leseverhalten zu orientieren. Denn der News-Konsument wird sich am vertrauten Papier-Medium orientieren. Somit darf beispielsweise die Navigation nicht zu aufgesetzt und künstlich werden, sondern soll auf gelernte Handbewegungen aufbauen. Einen Artikel z.B. einfach mit einem Fingerwisch weiter blättern. Neben dem intuitiven Navigieren muss selbstverständlich die Übersicht über die ganze Ausgabe bewahrt werden. Am Beispiel von Today’s Guardian (siehe Bilder unten) wird dies sehr einfach und reduziert dargestellt. Man kann mit der «Zeitleiste» oben in die verschiedenen Bünde springen und dann die einzelnen Artikel ohne Werbung und Störer auf jeweils einer eigenen Seite durchblättern. Ein ähnliches Prinzip macht sich auch «Der Spiegel» zu Nutze.
Quintessenz
Das iPad wird das Verhalten der User beeinflussen. Und diesen neuen Gewohnheiten muss das Design Sorge tragen. Nicht nur für die medienspezifischen Applikationen sondern auch für ähnliche Anwendungen im Web und allgemein am Bildschirm. Egal ob man nur die Zeitung lesen oder sein DJ Pult inklusive Set immer dabei haben will. Für das Design heisst dies: «reduce to the max» und gleichzeitig spannend bleiben!



